Glück ist, wenn die Biochemie im Gehirn stimmt.

Der Botenstoff-Cocktail des Glücks und des Wohlbefindens.

Wie glücklich oder unglücklich wir sind, geht mit vier Botenstoffen sehr eng Hand in Hand. Vor allem Dopamin spielt dabei die zentrale Hauptrolle; er ist der alles entscheidende „Freudensaft“ und Botenstoff zum Aufbau unserer Glücksgefühle – in Verbindung mit Noradrenalin und dem β-Endorphin. Aber auch Serotonin ist an unserem Glück und Wohlbefinden maßgeblich beteiligt. Dabei sind sie die stärksten, uns mental (gemütsmäßig-gedanklich) verändernden Wirkstoffe, welche die Natur in Jahrmillionen zusammengebraut hat.

Damit diese – uns mental verändernden Botschaften – von einer Nervenzelle zu ihren Partnerzellen übertragen werden können, sind sie als Fährboote zwischen ihnen notwendig. Sie sind unsere selbst produzierten Überträger- und Signalmole­küle, die alle biochemischen Botschaften zwischen ihnen übermitteln.

Ohne sie ist keine Kommunikation im Gehirn möglich. Deshalb liegen sie jeder Emotion, jedem Gefühl, jeder Stimmung, allem „Denken“, jedem Gedanken, allem Lernen, jeder Entscheidung, jeder Erinnerung, jeder Bewegung und allem was wir tun oder lassen zugrunde. Alles, was in unserem Gehirn abläuft ist an sie gebunden.

Ohne Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und β-Endorphin könnte unser Gehirn keine Informationen verarbeiten. Unser individuell unterschiedlicher Botenstoff-Cocktail ist deshalb nicht nur überlebensnotwendig für uns, sondern spielt auch die ständig leise Hintergrundmusik bei allem, was wir empfinden, fühlen, „denken“, entscheiden und tun oder lassen und uns in einen Zustand versetzt wie:

„Ich bin (un-)glücklich und (un-)zufrieden.“

Dopamin ist weit mehr als nur der Botenstoff der Lust und des Vergnügens.

Der entscheidende Botenstoff zum Aufbau unserer Glücksempfindungen ist Dopamin in Verbindung mit Noradrenalin. Dabei wirkt Dopamin wie eine reizvolle Verführerin auf einer Südsee-Insel, bei deren Anblick wir uns „sehr gut“ fühlen. Ihr Anblick löst in uns Wollen, Begehren, freudige Erwartungen schöner Umstände in unserer Fantasie, Motivation, Antrieb, Aufmerksamkeit, Interessiertheit, „Rangehen!“, Lust, Freude, Begeisterung und Glücksempfindungen aus und hält sie aufrecht.

Dabei wirkt Dopamin wie ein Scheinwerfer, der unsere Aufmerksamkeit auf alles denkbar Angenehme, Erfreuliche und Vergnügliche lenkt, bündelt und uns vorwärts hin zur Erreichung unserer Ziele treibt.

Dopamin, seine D1-, D2-, D3-, D4-, D5-Rezeptoren, beruhigend wirkenden D2-, D3-Autorezeptoren, sein Wiederaufnahme-Transporter DAT und Abbau-Enzym COMT spielen dabei eine ausschlaggebende Hauptrolle.

Andererseits ist das Gegenteil aber leider auch wahr:

Ohne genug Dopamin machen wir nichts, rein gar nichts, keinen Handschlag und keinen Finger krumm, weil zu wenig Dopamin in den Dopamin-Synapsen deckungsgleich mit Freud-, Antriebs-, Lust- und Interesselosigkeit einhergeht und chronisch mittel- und schwerdepressive Menschen einen zu geringen Dopamin­spiegel in ihren Synapsen haben.

Dopamin ist der maßgebliche Botenstoff zur Beschaffung aller Arten von Belohnungs- und „Glückshappen“. Ein erhöhter Dopaminspiegel in den Synapsen ist deshalb mit allem Angenehmen, Erfreulichen und Vergnüglichen und ein zu niedriger Dopaminspiegel mit chronisch schlechter Stimmung, mittelschwerer und schwerer Depression untrennbar eng miteinander verbunden. Aber nicht nur das.

Der Leitgedanke, dass ein einziger Botenstoff uns zu so unterschiedlichen Dingen wie Drogenkonsum, Arbeiten, Lernen, Leistung und Bildung unseres Kurz- und Lang­zeitgedächtnisses, Erfolgserlebnisse, Essen, Trinken, Rauchen oder Sex zu haben antreibt, hat die Neuro- und Molekularbiologen seit ein paar Jahren elektrisiert.

Das amerikanische Nachrichtenmagazin TIME magazine und die beiden renommierten Wissenschaftsmagazine Science und Nature haben ihm Titelstorys gewidmet. Seitdem wird Dopamin, seine Rezeptoren und innerzelluläre Weiter­verarbeitung in den Empfangszellen über Kinasen im Zusammenhang mit so unterschiedlichen Dingen wie Motivation, Lernen, Erinnerungsvermögen, Kurz- und Langzeitgedächtnisbildung, Sex, eheliche Treue, Impulsivität, Extrovertiertheit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHDS), Depression, Zielorientierung, Vorfreude, allen Freuden und unserem Glück und Wohlbefinden erforscht. „Oh Dopamin, wie lieb‘ ich dich!“

Der Stimmungsaufheller Serotonin trägt zur emotionalen Ausgeglichenheit, zur Gelassen­heit und Zufriedenheit bei.

Serotonin ist nicht lebensnotwendig. Es gibt uns aber das Gefühl der Gelassenheit, Ausgeglichenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit. Unter anderem ist es dadurch auch an unserem Appetit und Essverhalten, dem Gefühl der Sättigung und Angst­freiheit beteiligt. Ein gut genug funktionierendes Serotoninsystem überträgt an seine Serotonin 1A-, 1B-, 2A-Rezeptoren und die Monoamin Oxidase A gleichsam die Botschaft, dass wir emotional ausgeglichen, gelassen und zufrieden sind.

Das Enzym Monoamin Oxidase A baut abschließend überschüssiges Serotonin in und an den Synapsen ab. Dabei dämpft es eine ganze Reihe verschiedener Gemüts­zustände wie Aggressivität, Hunger, Angstgefühle, Kummer und Sorgen, Niedergeschlagenheit und Depressionen. Deshalb wurde Serotonin von Neuro­biologen auch als der uns zivilisierende Botenstoff, Feel Good-, Well-Being- oder Wohlbefindens-Botenstoff bezeichnet, weil wir dank ihm emotional ausgeglichen, ruhig und gelassen an uns und der Welt teilhaben können.

In erster Linie dämpft Serotonin die Angst. Ein Serotoninmangel wurde deshalb bei so unterschiedlichen mentalen Störungen wie behandlungsbedürftiger Schüchtern­heit, sozialer Angststörung (Sozialphobie), allen Angststörungen, „leichter“, mittel­schwerer, und schwerer Depression, Feindseligkeit, zwanghafter Wiederholungs­störung, häufiger wiederkehrendes Nachdenken über Selbstmord, wiederholten Selbstmordversuchen und Selbstmorden nachgewiesen.

„Unser Gemüts- und Gefühlsleben ist wie ein Konzert“, meint Solomon Snyder von der Johns Hopkins University, „und Serotonin ist der Dirigent, nach dem sich alle richten.“ Es sorgt von vornherein dafür, dass wir auf Alles gelassener reagieren können. Ein paar Botenstoffe sagen uns zum Beispiel, wann unser Magen voll ist. Serotonin sagt uns, wann wir gesättigt und zufrieden sind. Ein paar andere Botenstoffe helfen uns, den Wasserstand in einem Glas Wasser wahrnehmen zu können. Serotonin sagt uns, ob das sprichwörtliche Glas Wasser „halb voll“ oder „halb leer“ ist. Es überträgt in Ihrem Gehirn sein Signal und sagt Ihnen damit:

„Du bist satt, emotional ausgeglichen, gelassen, innerlich ruhig und zufrieden.“

Noradrenalin erregt und aktiviert uns, macht uns wacher und reaktionsbereiter und wir sind aufmerksamer, motivierter und leistungsbereiter.

β-Endorphin ist weit mehr als ein Schmerzkiller. Oxytocin, das vertrauensbildende Hormon für mehr Liebe, Sex, für zwischenmensch­liche Risiko- und Kooperations­bereitschaft, Sinn für partnerschaftliche Fairness und Treue.


IFG München, Institut für Glücksforschung
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